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MGF-Ostsee: DAM Pilotmission - Schutzgebiete Ostsee: Auswirkungen des Ausschlusses mobiler grundberührender Fischerei in marinen Schutzgebieten; Leitantrag; Vorhaben: Bestandsaufnahme und Entwicklungsszenarien benthischer Lebensgemeinschaften und Sedimentfunktionen

Im geplanten Verbundprojekt MGF-Ostsee wird untersucht wie sich die Ökosysteme der Natura 2000- Gebiete (Fehmarnbelt, Kadetrinne, Westliche Rönnebank, Adlergrund, Pommersche Bucht mit Oderbank) in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee nach Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei (MGF) entwickeln. Schwerpunkt der Untersuchungen sind die Effekte von MGF auf benthische und demersale Ökosystemkomponenten. Grundberührende Fischerei mit mobilen (geschleppten) Fanggeräten (MGF) hat starke direkte und indirekte Auswirkungen auf die Diversität der Organismengemeinschaften, Sedimentstrukturen und Stoffflüsse am Meeresboden. Neben den direkten Wirkungen auf Benthos und Sedimente, kann als Folge von MGF auch die Wassersäule durch Resuspension von Sedimentpartikeln und Freisetzung von Nähr- und Schadstoffen beeinflusst werden. Da auch die gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-) zu schützenden Meeresflächen, die Teil der Natura 2000-Gebiete in der deutschen AWZ der Ostsee sind, bisher nicht von MGF ausgenommen waren, gibt es derzeit kaum ungestörte Meeresböden in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Für die Ostsee gibt es insgesamt bisher zu wenige und keine umfassenden Untersuchungen, um den tatsächlichen Einfluss von MGF abzuschätzen. Der beantragte Ausschluss von MGF aus den Natura 2000-Gebieten der Ostsee bietet nun erstmalig die Chance, zu verfolgen wie sich diese Ökosysteme, deren Biodiversität und Funktionen ohne MGF-Einwirkung entwickeln. Der Fokus wird dabei auf Flächen in den Schutzgebieten liegen, die durch MGF betroffen waren oder sind (v.a. Sand- und Schlickböden in Fehmarnbelt, Rönne- und Oderbank). Die Untersuchungsflächen sowie vergleichbare Referenzflächen außerhalb der Schutzgebiete werden u.a. anhand sedimentologischer Karten und Fischereiaufwandsdaten ausgewählt. Für ein umfassendes Verständnis des benthischen Nahrungsgefüges und der Sedimentfunktionen werden Bestandsaufnahmen aller biotischen Komponenten sowie von Sedimentstrukturen und biogeochemischen Prozessen durchgeführt und deren Dynamik und Interaktionen modelliert. Die Vorhaben in MGF-Ostsee-IOW sind Teil des Verbundprojekts und Teilprojekte sind in den Arbeitspaketen AP 1 Sedimentologie/Biogeochemie (2 Teilprojekte), AP2 Niedere trophische Ebenen (2 TPs), AP 3 Obere trophische Ebenen (1 TP), AP 4 Modellierung (1 TP) und AP 5 Koordination (1 TP) angesiedelt. Die noch vor dem Fischereiausschluss aufgenommene Basiserfassung wird die Referenzsituation für alle zukünftigen Erfassungen darstellen. Ergänzend werden für einzelne, bisher wenig verstandene Aspekte, an ausgewählten Flächen außerhalb der Schutzgebiete die kurzfristigen Reaktionen direkt nach MGF-Einwirkung untersucht. Die Ergebnisse dieses Projekts werden zu einem umfassenderen Verständnis des MGF-Einflusses in der Ostsee und der Bedeutung der Schutzgebiete für benthische Lebensgemeinschaften und Sedimentfunktionen führen sowie eine Grundlage für die Entwicklung angepasster Fischereimanagement-Strategien darstellen.