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LABPLAS: LABPLAS - Land-Based Solutions for Plastics in the Sea; Plastics in the environment: understanding the sources, transport, distribution and impacts of plastics pollution

Laufzeit:
01.06.2021 - 31.05.2025
Gesamtkoordination:
University of Vigo
Projektleitung (IOW):
Juliana Ivar do Sul
Finanzierung:
EU - Horizon 2020
Forschungsschwerpunkt:
Beteiligung:
University of Corunã
Laboratório IBERICO INTERNACIONAL DE NANOTECNOLOGIA
University of Sorbonne
BASF SE

Bis heute wurden ca. 6300 Mt Kunststoffabfälle erzeugt, von denen 79 % auf Deponien oder in der natürlichen Umwelt angesammelt wurden. Wenn sich die derzeitigen Trends in der Produktion und Abfallwirtschaft fortsetzen, werden bis zum Jahr 20501 etwa 12.000 Mt Kunststoffabfälle auf Deponien oder in der natürlichen Umwelt landen. In den Meeren und Ozeanen der Welt treiben 5.250 Milliarden Plastikteilchen an der Oberfläche, was 268.940 Tonnen Abfall entspricht. Diese Fragmente bewegen sich mit den Strömungen, bevor sie an Stränden, Inseln, Korallenatollen oder in einem der fünf großen Ozeanwirbel angespült werden. Falsch entsorgter Plastikmüll landet in der Umwelt und zerfällt in Mikroplastik (MP). Da MP nicht aus Ökosystemen entfernt werden kann, sollten proaktive Maßnahmen zur Erforschung von Kunststoffalternativen und Strategien zur Vermeidung des Eintritts von Plastik in die Umwelt umgehend ergriffen werden.

LABPLAS ist eine umfassende gemeinsame Anstrengung von 20 Gruppen aus 16 Organisationen, die ein starkes Konsortium bilden, das Fachwissen in den Bereichen Umweltverschmutzung, Umweltmodellierung, Umweltchemie, Ökotoxikologie, Ozeanographie, Hydrologie, Paläoökologie, Bodenökologie, Mikrobiologie, Wassertechnik, Nanotechnologie, Wirtschaft und Wissenstransfer umfasst. Diese Experten arbeiten mit dem Ziel zusammen, den europäischen Behörden das nötige pränormative Wissen zur Verfügung zu stellen, um die Plastikverschmutzung auf solider wissenschaftlicher Grundlage zu bekämpfen. Wendet man hier das Konzept eines Schweizer Taschenmessers an, so ist LABPLAS ein analoges, vielseitiges Werkzeug mit gut differenzierten Fähigkeiten, um die Hauptquellen zu identifizieren, den Transport, die Akkumulation und den Abbau von Kunststoffen zu analysieren, Umweltprobleme, die durch Kunststoffe entstehen, zu diagnostizieren und umsetzbare Minderungsstrategien vorzuschlagen. Vom Land stammende Kunststoffe gelangen aus verschiedenen Quellen in die Umwelt, wo sie in immer kleinere Partikel zerfallen, deren Bioverfügbarkeit und Auswirkungen mit abnehmender Partikelgröße zunehmen, wobei nicht überwachte kleine Mikro- und Nanokunststoffe (SMNP) (<100 μm) das größte Risiko darstellen.

LABPLAS zielt auf die Identifizierung von MP- und SMNP-Quellen und deren Umweltpfaden ab, um eine Lücke in der globalen Literatur zu schließen, und zwar in zwei kontrastierenden Fallstudien: i) die städtisch-industrielle Große Nordsee einschließlich der Becken von Themse und Elbe und ii) das ländliche, aber von Autobahnen durchzogene Mero-Barcés-Becken (NW Iberische Halbinsel) mit Trinkwasserreservoir, wobei sowohl zeitliche als auch räumliche Variationen berücksichtigt werden. Terrestrische Böden, Süßwasser, Meeresgewässer, atmosphärische Partikel, Sedimente und aquatische Biota werden mit neuartigen Techniken von der Teledetektion bis hin zu Nanotechnologien untersucht, um robuste Werkzeuge und harmonisierte Methoden für die Überwachung der Kunststoffverschmutzung bereitzustellen. Kunststoffe aus Umweltproben und Kunststoffe der neuen Generation werden auf Toxizität und biologische Abbaubarkeit getestet, um eine wissenschaftlich fundierte Risikobewertung zu erstellen, bei der das von Kunststoffen ausgehende Risiko in Abhängigkeit von Partikelgröße, -form und -zusammensetzung, insbesondere im Hinblick auf chemische Zusatzstoffe, quantifiziert wird. Umwelt- und Labordaten werden dann in eine Reihe von Umweltmodellen einfließen, die Quellen, den Transport zwischen den Kompartimenten und den potenziellen Transfer von Chemikalien in Biota identifizieren oder vorhersagen, und die zu einem europaweiten Kunststoffinformationssystem (e-PLAS) hochskaliert werden können. Das Ziel der interagierenden Modelle ist es, Werkzeuge für das Umweltmanagement bereitzustellen und effiziente Minderungsmaßnahmen zu planen. Kurz gesagt, LABPLAS wird im Rahmen der aktuellen Gesetzesinitiativen, die durch die EU-Kunststoffstrategie und die Kunststoffrichtlinie (EU 2019/904) ausgelöst wurden, Regulierungsbemühungen und informierte Verbraucher anleiten, indem es solide wissenschaftliche Beweise und neuartige technische Entwicklungen liefert, anstatt durch falsche Vorstellungen und Mythen über die Eigenschaften von Kunststoffen.

LABPLAS begreift die Kunststoffverschmutzung als ein globales Problem, unterstützt aber eine führende Rolle der EU und der europäischen Industrie bei der Lösung dieses Problems. Der Vorschlag verfolgt einen Multi-Akteurs-Ansatz, der wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer Partnerschaft von Wissenschaftlern, Technikern, Forschungsorganisationen und Unternehmen schafft, die gemeinsam darauf hinarbeiten, dass auf verschiedenen Ebenen (Gesellschaft, Industrie, Politik) die wichtigsten Probleme (Quellen, potenzielle biologische Abbaubarkeit, Ökotoxikologie, Aufnahme, Umweltbewertung) im Zusammenhang mit dem Vorkommen von Kunststoffen in Ökosystemen erkannt werden.