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Frage:

Wie ist Kadetrinne entstanden?

Antwort:

Die Kadetrinne wird in den klassischen Arbeiten von Kolp aus den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als eine Art breites Flusstal im Sinne eines Urstromtales angesehen. Dies stimmt mit den damals bekannten Daten zur Morphologie des Gebietes, wie sie in den damaligen Seekarten dargestellt sind, auch weitgehend überein.

Mit dem Fortschritt der bathymetrischen (Tiefen-) Vermessungen im Verlauf der achtziger Jahre zeigte sich, daß das Relief der Kadetrinne weit komplizierter ist, als bis dahin vermutet. Es handelt sich dabei um eine Vielzahl schmaler bis zu 32 m tief in den anstehenden Geschiebemergel eingeschnittener Rinnen, wobei auf eine Distanz von 100 m bis zu 20 m Tiefenunterschied beobachtet wurden.

Mit der Morphologie eines klassischen Urstromtals hat das natürlich wenig zu tun. Zeitweise hatte ich selbst nach der Auswertung der verfügbaren Unterlagen die Auffassung, daß die Entstehung ähnlich interpretiert werden kann, wie bei den Durchbruchstälern der Warnow oder der Nebel in unserem Land. Dies würde bedeuten, dass ein Fluss sich seinen Weg durch den relativ harten Geschiebemergel geschnitten hätte. Entsprechende Niveauunterschiede zwischen Mecklenburger Bucht und Arkonabecken lassen sich im Verlauf der frühen Ostseegeschichte vor etwa 11 000 Jahren durchaus belegen.

Nach neuerlicher Auswertung der vorhandenen Informationen zeigt sich allerdings, dass offenbar eine querliegende Schwelle aus Geschiebemergel die gesamte Struktur der Kadetrinne in einer Wassertiefe von etwa 23 m in einen Süd- und einen Nordabschnitt unterteilt. Dies würde gegen eine Entstehung im Verlauf eines Gewässerdurchbruches sprechen.

Am ehesten lässt sich meiner Meinung nach die gegenwärtig bekannte Situation mit einer erosiven Tätigkeit von Schmelzwässern unter dem Eis (subglazial) erklären. Ähnliche isolierte tiefe "Löcher" im Verlauf von Rinnen finden sich im Übrigen auch beispielsweise im Großen Belt. Dies muß noch nicht die abschließende umfassende Erklärung des Reliefs der Kadetrinne sein, aber sie kommt den gegenwärtig bekannten Tatsachen am nächsten.

Dieser Beitrag stammt von Dr. Wolfram Lemke (†), IOW, Sektion Marine Geologie.

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