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MARNET-Station Arkona See

Phytoplankton development at the coastal station "Seebrücke Heiligendamm" in 2001

Wöchentliche Messungen des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) an der Seebrücke Heiligendamm (54°08,55' N; 11°50,60' E).

Die wöchentlichen Messungen des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) werden seit Februar 1998 an der Seebrücke Heiligendamm (54°08,55' N; 11°50,60' E) durchgeführt. Sie setzen damit die entsprechenden Messungen an einer Messbrücke westlich von Warnemünde (siehe Kaiser et al. 1995) fort. Kurzzeitig musste die Probennahme vom 14.3. bis 17.4.2001 und vom 10.10. bis 20.11.2001 wegen Strandaufspülungen in Heiligendamm an die Seebrücke Kühlungsborn verlegt werden. Bedingt durch die Flachheit dieser Küstenzone konnten gerade nach Stürmen einige Proben (11. und 25. Sept., 7. Nov.) wegen hohen Sedimentgehalts nicht ausgewertet werden. Die mikroskopisch bestimmte Phytoplankton-Frischmasse und die fluorometrisch bestimmte Chlorophyll a-Konzentration sind in Abb. 1 dargestellt.

Im Winter sind die Phytoplanktonbiomassen gering. Die erhöhte Biomasse am 9.1.01 ist zufällig bedingt durch den Fund eines sehr großen Exemplars der Kieselalge Attheya decora. Daneben war der Dinoflagellat Heterocapsa rotundatarelativ häufig. Zum 30.1.2001 scheint aber ein reales Wachstum einzusetzen, insbesondere durch den phototrophen Ciliaten Mesodinium rubrum (Synonym: Myrionecta rubra), aber auch durch die Cryptophyceae Teleaulax sp. und die Kieselalgen (Bacillariophyceae) Chaetoceros decipiens, Ch. curvisetus und Rhizosolenia setigera. Chaetoceros curvisetus und Proboscia alata wuchsen Anfang Februar noch weiter an, während ab Mitte Februar die Euglenophyceae Euteptiella sp. zur Entwicklung kam. Es muß dabei berücksichtigt werden, dass die Werte vom 13.2. bis 27.2.2001 noch deutlich unterschätzt sein könnten, da ein hoher Anteil an Sedimentpartikeln die mikroskopische Zählung der Proben behinderte und damit ungenau machte. Danach fiel eine Probennahme aus. Die Arbeiten wurden am 14.3.2001 in Kühlungsborn fortgesetzt. Zu dem Zeitpunkt hatte sich bereits eine starke Blüte der Kieselalgen-Gattung Chaetoceros (Ch. diadema, Ch.decipiens, Ch. wighamii) sowie der Kieselalgen Skeletonema costatum und Rhizosolenia setigera entwickelt. Diese Blüte erreichte am 20.3.2001 mit einer Gesamt-Biomasse von 4562 mg m-3 ihr Maximum. Die größte Biomasse machten ungestimmte Chaetoceros-Arten mit 2530 mg m-3 aus. Daneben kamen die Kieselalgen Ch. curvisetus (246 mg m-3), Ch. diadema (136 mg m-3), Thalassiosira spp. (809 mg m-3 ) und Rhizosolenia setigera (333 mg m-3) vor. Zum 27.3. nahmen die Chaetoceros-Arten stark ab (Chaetoceros spp.= 369 mg m-3 , Ch. curvisetus = 103 mg m-3), während Thalassiosira spp. (= 1360 mg m-3 ) und Proboscia alata (176 mg m-3) zunahmen. Bemerkenswert ist die gute Korrelation der Phytoplankton-Frischmasse zu den Chlorophyll a-Konzentrationen. Am 3.4.01 war die Kieselalgenblüte vorüber. Es dominierte jetzt der photoautotrophe Ciliat Mesodinium rubrum (510 mg m-3); daneben traten Dinoflagellaten auf (Gymnodinium spp. 73 mg m-3, 29 mg m-3). Diese Situation blieb im wesentlichen den April über erhalten, bei langsam weiter abnehmenden Biomassen.

Ab Mitte April trat die nackte Form des Kieselflagellaten Dictyocha speculum auf (17.4.: 39 mg m-3, 24.4.: 93 mg m-3). Das zurückverlegen der Probennahme nach Heiligendamm ab dem 24.4.01 führte also zu keinem Bruch in der Datenreihe. Dictyocha speculum wuchs bis zum 8. Mai 2001 auf eine Biomasse von 1584 mg m-3 an (740 000 Zellen l-1). Daneben kamen Kieselalgen (z.B. Attheya decora: 152 mg m-3), Dinoflagellaten (z.B. Glenodinium sp.: 35 mg m-3) und Mesodinium rubrum (75 mg m-3) vor. Zum 16. Mai ging die Biomasse stark zurück (nur noch 41 mg m-3 Dictyocha speculum, 39 mg m-3 Melosira sp.) und fiel auf das Sommer-Minimum. Zum 23. und 29. Mai entwickleten sich lediglich Cryptophyceen (Teleaulax sp.) stärker, während die anderen Algengruppen unbedeutend wurden.

Im Juni kam es gegenüber Mai 2001 nur zu einem geringen Anstieg der Biomasse. Anfangs dominierten weiterhin die Cryptophyceen (Teleaulax sp.). Zu Mitte Juni entwickelten sich Kieselalgen (Dactyliosolen fragilissimus, Proboscia alata), Euglenophyceen (Eutreptiella sp.) und der Ciliat Mesodinium rubrum stärker. Die Phytoplankton-Biomasse blieb auch in der ersten Juni-Hälfte gering, wobei Mesodinium rubrum zunehmend dominant wurde.

Ab 24.7.2001 entwickelte sich eine Blüte von Dactyliosolen fragilissimus, die mit 4232 mg m-3 am 21.8.2001 ihr erstes Maximum erreichte. Cyanobakterien waren nur gering vertreten; sie hatten ihr Jahres-Maximum am 21.8.2001 mit nur 59 mg m-3. Am 29.8.2001 wurde eine völlig andere Artenzusammensetzung gefunden, mit dem Dinoflagellaten Ceratium tripos (120 mg m-3) und Cryptophyceen (83 mg m-3). Eventuell war lediglich ein anderer Wasserkörper zu unserer Station geströmt. Am 4.September war bereits wieder Dactyliosolen fragilissimus dominant, welches zum 18.9.2001 ein zweites Maximum erreichte. Im Vergleich zu den kleineren Frühjahrs-Kieselalgen sind die großen Arten des Spätsommers sehr plasma- und chlorophyllarm.

Am 10.10.2001 waren die Phytoplankton-Biomassen sehr gering, hauptsächlich zusammengesetzt aus Ceratium tripos, Mesodinium rubrum und Hemiselmis sp. Es schloß sich eine Entwicklung des Dinoflagellaten Ceratium tripos und der Kieselalge Cerataulina pelagica an, die aber keinen Bestand hatte. Bereits zum 23.10.01 wurde Proboscia alata dominant, das aber schon am 30.10. von Coscinodiscus granii abgelöst wurde. Im November kam es nochmals zu einem geringen Wachstum von Ceratium-Arten sowie der Kieselalge Guinardia flaccida. Im Dezember pegelten sich die Biomassen auf das geringe Winter-Niveau ein.

Vergleich 2000 und 2001

Im Jahre 2000 entwickelte sich die Frühjahrsblüte trotz des milden Winters relativ spät, während im Jahre 2001 ein verhaltenes Phytoplanktonwachstum bereits Ende Januar begann. Zum 14.3.2001 hatte sich die Kieselalgenblüte voll entwickelt, also eine Woche eher und deutlich stärker als im Jahre 2000. Die dominierenden Arten waren unterschiedlich: im Jahre 2000 Skeletonema costatum und im Jahre 2001 Chaetoceros-Arten. Bemerkenswert ist das Auftreten der nackten Form der Chrysophycee Dictyocha speculum, die sonst in der Kieler Bucht gefunden wurde. Die sommerliche Kieselalgenblüte von Dactyliosolen fragilissimus trat im Jahre 2000 erst sehr spät (29.9.2000) und schwach (Biomasse um 1 g m-3) auf, kam im Spätsommer 2001 allerdings kräftig (Biomasse um 4,5 g m-3) zur Entwicklung. Im Gegensatz dazu trat im Jahre 2000 eine kräftige Herbstblüte (Ceratium tripos) ein, während diese im Jahre 2001 kaum entwickelt war.

Literatur

Kaiser, W., D. Nehring, G. Breuel, N. Wasmund, H. Siegel, G. Witt, E. Kerstan und B. Sadkowiak (1995): Zeitreihen hydrographischer, chemischer und biologischer Variablen an der Küstenstation Warnemünde (westliche Ostsee). Meereswiss. Ber., Warnemünde, 11: 1-65 + Tabellenanhang.

 

IOW, 29.1.2001
Dr. Norbert Wasmund

 

Raue See
Abb. 1: Chlorophyll a –Konzentration und Zusammensetzung der Phytoplankton-Biomasse (Schöpfproben von der Wasseroberfläche) im Jahre 2001 an der Seebrücke Heiligendamm (vom 14.03. bis 17.04. und vom 10.10. bis 20.11.)
Abb. 1: Chlorophyll a –Konzentration und Zusammensetzung der Phytoplankton-Biomasse (Schöpfproben von der Wasseroberfläche) im Jahre 2001 an der Seebrücke Heiligendamm (vom 14.03. bis 17.04. und vom 10.10. bis 20.11.)
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