
Aktuelle Projekte
AMBER - Assessment and Modelling Baltic Ecosystem Response
BIOACID - Biological Impact of Ocean Acidification
FONIP - Fixierter Stickstoff im marinen Nahrungsnetz: die Bedeutung Essentieller und nicht-essentieller Aminosäuren
HYPER - HYPoxia mitigation for Baltic Sea Ecosystem Restoration
NIQSI - Identifizierung und Quantifizierung der Nitratquellen der euphotischen Zone der zentralen Ostsee anhand stabiler Stickstoff- und Sauerstoffisotope
SOPRAN - Surface Ocean Processes in the Anthropocene
Assessment and Modelling Baltic Ecosystem Response (AMBER)
Das Ziel von AMBER ist die Implementierung und Anwendung eines „Ecosystem Approach to Management (EAM)“ mit Focus auf das küstennahe Ökosystem der Ostsee. Für ein optimales integriertes Management ist es wichtig, das Küstensystem mit einem holistischen Ansatz zu untersuchen. Das Wechselspiel zwischen dem Einzugsgebiet inklusive des Grundwassers und der offenen Ostsee und wie Klimaänderung und Änderung in der Landnutzung die Zusammensetzung des Flußwassers und die Biogeochemie der Küstenwässer und der Sedimente beeinflussen, ist zentraler Gegenstand der Forschung.
Einer der ersten Schritte von AMBER ist die Trennung von Klimasignalen und anthropogenen Signalen durch eine kombinatorische Variation der Randbedingungen des Modells, wobei der Output von existierenden regionalen Klimamodellen und der Output von Modellen des Einzugsgebietes, die Änderung in der Landnutzung simulieren, zur Verfügung steht. Um ein EAM Konzept erfolgreich zu implementieren, wird die bestmögliche wissenschaftliche Information als Grundlage für integriertes Managementbenötigt. Deshalb sind die Methoden retrospektive Datenanalyse, intensive Modellierung mit verschiedenen Typen von Modellen, sowie ausgewählte Messungen biogeochemischer Transformationsprozesse im Küstengewässer und im Grundwasser. Ein weiteres Ziel ist die Projektion auf das 21. Jahrhundert. Um hier das Problem der Modellunsicherheit zu reduzieren, wird die Ensemblemethode angewandt.
Die wesentlichen Produkte, die aus den wissenschaftlichen Ergebnissen abgeleitet werden können, sind a) eine qualitative Risikoabschätzung für verschiedene Klimaszenarien und unterschiedliche Landnutzung. Hieraus können b) Vermeidungsstrategien und c) ökologische Qualitätsziele (EQO) definiert werden. EQUs sind verknüpft mit Indikatoren und Grenzwerten. Weiterhin sollen kostengünstige Indikatoren entwickelt werden, um Monitoringstrategien zu verbessern und Managemententscheidungen zu vereinfachen.
Kontakt: Dr. Maren Voß, Frederike Korth
Biological Impact of Ocean Acidification (BIOACID)
Teilprojekt 1.2 Umsatz organischen Materials
(2009-2012)
Zahlen und Fakten
BIOACID beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Lebensgemeinschaften im Meer, genauer mit den Effekten der Ozeanversauerung auf die Kalkbildung, das Wachstum und die Entwicklung von Meeresorganismen. An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die nächsten drei Jahre mit 8,5 Millionen Euro finanzierten Projekt sind insgesamt 14 Forschungsinstitute und Universitäten aus ganz Deutschland beteiligt. Die Projektleitung der 5 Teilprojekte liegt beim Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Am Institut für Ostseeforschung sind im Rahmen dieses Projektes 3 Doktoranden und ein PostDoc angestellt. Im Zuge dieses Projektes soll ein Richtwert für politische Entscheidungsträger ermittelt werden, unter welchen die Ozeanversauerung nicht sinken sollte.
Hintergrund
Seit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2 Partialdruck in der Atmosphäre von 280 ppm auf 380 ppm (211%). Jährlich wird ungefähr ein Drittel dieses, aus der Verbrennung fossiler Energieträger freiwerdenden, Kohlendioxids (CO2) in den Weltmeeren gelöst. Infolgedessen bildet sich Kohlensäure und die Konzentration von Karbonaten nimmt ab. Der pH-Wert verschiebt sich in den sauren Bereich. Dies ist auch schon messbar. Seit 1980 sank der pH Wert um 0.06 Einheiten und Zukunftsprognosen gehen von einer weiteren Senkung um 0.4 das bedeutet eine pH Wert Verschiebung von heute 8.14 auf 7.7 (oder Senkung um 6%), wenn der Status quo beibehalten bleibt (Bild 1).

Diese Zahl klingt zunächst nicht weiter dramatisch, wenn man bedenkt, dass die Organismen an bestimmte pH Werte angepasst sind und nur bis zu einem bestimmten pH Wert vorkommen. Besonders alarmierend ist, dass sich vor allem Organismen mit Kalkskeletten oder Schalen im wahrsten Sinne des Wortes auflösen, da sie ihr Skelett auf Grund der Wasserchemie nicht mehr aufbauen können. Der Rückgang der tropischen Korallen ist schon deutlich sichtbar. Die Ozeanversauerung führt im groben gesehen zu einer Art Domino Effekt. Kalkbildner gehen zurück. Kleine Primärproduzenten werden gefördert, die organische Produktion ändert sich qualitativ und quantitativ. Das geht einher mit einer Verschiebung der Biodiversität. Diese Änderungen auf der Basis der Nahrungskette setzen sich im Nahrungsnetz fort, von den Bakterien bis hin zu höheren Ebeneren.
Das höhere Angebot an Kohlenstoff beeinflusst wiederum die Produktivität der Primärproduzenten, die in den Sommermonaten vor allem von Stickstoff (N2) fixierenden Cyanobakterien dominiert werden, was sich als Konsequenz auf die anderen trophischen Ebenen auswirkt. Dieses Zusammenspiel aus Ozeanversauerung, Kohlenstoffangebot, Primärproduktion, N2 - Fixierung, und Kopplung der einzelnen trophischen Ebenen soll in Mikrokosmen und Mesokosmen Versuchen im Teilprojekt 1.2 untersucht werden. Die übergeordnete Fragestellung ist: Welche Konsequenzen hat die Ozeanversauerung auf die Produktivität der einzelnen Ebenen (Primärproduzenten, Bakterien), den Umsatz und Abbau organischen Materials? Als Hypothese wird prognostiziert, dass die Primärproduktion und N2 - Fixierung durch Cyanobakterien unter erhöhten CO2 Partialdrücken steigen. Dies verändert die C:N:P Stöchiometrie der Algen zum Einen und deren Exsudate (organisches Material, DOM und TEP) zum anderen. Diese Quantitativen und Qualitativen Unterscheide wirken sich wiederum auf den bakteriellen Abbau organischen Materials aus, was mit einer Verschiebung der Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaft einhergeht (Bild 2).

Kontakt: Nicola Wannicke
FONIP

Fig. 1: Wege des Stickstoffs in das heterotrophe Nahrungsgefüge. Im FONIP-Projekt wird die Primäre Aufnahme von Cyanobakterien durch Heterotrophe wie z.B. Copepoden untersucht.
Neben Feldexperimenten werden kontrollierte Laboruntersuchungen mit ökologisch relevanten Arten wie der Cyanobakterienart Nodularia spumigena und der Copepodenart Eurytemora affinis durchgeführt. Zum ersten Mal kann mit dieser Methode der Transfer neu gebildeter Aminosäuren aus den Cyanobakterien in die Grazer quantifiziert und gleichzeitig die Qualität des fixierten Stickstoffs für das Zooplankton bestimmt werden. Die Qualitätsbestimmung des fixierten Stickstoffs sowie die Quantifizierung seiner Eintragswege in das marine Ökosystem sind wichtige Vorraussetzungen, um die Auswirkungen zunehmender oder abnehmender Cyanobakterienbestände im Zuge globaler Klimaveränderungen, wie z.B. der Ozeanansäuerung, abschätzen zu können.
Literatur: Capone, D. G., 2001. Current Opinion in Microbiology 4 (3): 341 – 348.
Gruber, N. and Sarmiento, J. L., 1997. Global Biogeochemical Cycles 11 (2): 235 – 266.
Mulholland, M. R., 2007. Biogeosciences, 4, 37–51.
Kontakt: Dr. Natalie Loick - Wilde
NIQSI
Identifizierung und Quantifizierung der Nitratquellen der euphotischen Zone der zentralen Ostsee anhand stabiler Stickstoff- und Sauerstoffisotope (N-Quellen Zentrale Ostsee)
Die Nitratquellen der zentralen Ostsee werden mit Hilfe der stabilen Stickstoff- und Sauerstoffisotope identifiziert und quantifiziert. Die Ostsee wird durch ihr viermal größeres Einzugsgebiet und die menschlichen Aktivitäten darin beeinflusst. Stickstoff- und Phosphateinträge durch Flüsse, Punktquellen und Niederschläge verursachen die Eutrophierung der Ostsee die letztendlich zu anoxischen Bereichen im Bodenwasser führt. Ein weiterer Eintrag ergibt sich durch die Stickstoff-Fixierung von Cyanobakterien in der euphotischen Schicht. Nitratquellen sind damit mehr oder weniger bekannt. Dennoch gibt es Unsicherheiten bei der Quantifizierung dieser Quellen und bei der Abschätzung ihrer Bedeutung für die Primärproduktion in der zentralen Ostsee. Im Rahmen dieses Projektes wird daher in dieser Region erstmals die „Denitrifizierer“ Methode, die die Messung sowohl der Stickstoff- als auch der Sauerstoffisotope im Nitrat ermöglicht, angewandt. Die Nitrat Isotopensignatur ermöglicht, zwischen den verschiedenen Nitratquellen zu unterscheiden und Prozesse, die die Nitratkonzentration beeinflussen, zu erkennen. Die Signaturen der potentiellen Quellen (vorhandener Nitratvorrat, atmosphärische Einträge und ebenso erstmals der Vorrat des gelösten organischen Stickstoffs) werden analysiert. Zusätzlich werden Experimente durchgeführt, um die relative Bedeutung der verschiedenen Stickstoffformen für die Primärproduktion zu bestimmen. Ein Nitratbudget für die zentrale Ostsee soll erstellt werden.

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Abbildung: Schematische Darstellung der Saisonalität der Nitratkonzentration in der Wassersäule der zentralen Ostsee; Nummern bezeichnen verschiedene Nitratquellen /-senken 1: abgebautes Phytoplankton, 2: Atmosphärischer Eintrag, 3: Flusseintrag, 4: N2 Fixierung, 5: DON, 6: Nitrifikation/Denitrifikation in der Wassersäule, 7: Nitrifikation/ Denitrifikation im Sediment. |
Kontakt: Dr. Claudia Fellerhoff
Surface Ocean Processes in the Anthropocene
Surface Ocean Processes in the Anthropocene , BMBF funded (2007 - 2010)
Teilprojekt 2: Effekte hoher
Kohlendioxid-Gehalte des Anthropozäns auf marine Ökosysteme und den Gasfluss
zwischen Ozean und Atmosphäre
Die Zusammensetzung der Erdatmosphäre bestimmt im Wesentlichen das Klima und die Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Sie wird ihrerseits geprägt durch physikalische und biogeochemische Prozesse an Land sowie im Ozean. Menschliche Aktivitäten verändern die atmosphärische Zusammensetzung in zunehmendem Maße, mit der Konsequenz, dass es auch im Wechselspiel zwischen Klimasystem und biogeochemischen Stoffkreisläufen zu Veränderungen kommt. Dies wiederum wirkt zurück auf die Atmosphäre, das Klima und die Ökosysteme. SOPRAN (Surface Ocean Processes in the ANthropocene) hat zum Ziel, insbesondere drei Bereiche dieser Wechselbeziehung besser zu verstehen:
- Wie wirken sich Änderungen der atmosphärischen Zusammensetzung (z.B. steigende CO2 Werte, veränderter Staubtransport) auf die Ökosysteme im Oberflächenozean und die von ihnen getriebenen Stoffkreisläufe aus ?
- Wie beeinflussen klimatisch bedingte Änderungen ozeanischer Prozesse die Freisetzung klimatisch relevanter Gase in die Atmosphäre ?
- Welche Mechanismen bestimmen den Stoffaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre und was sind deren Raten ?
Das Hauptaugenmerk von SOPRAN liegt auf Prozessen in der ozeanischen
Deckschicht und deren mögliche Änderung im Verlauf des nächsten Jahrhunderts.
Das Verbundprojekt kombiniert Meeres- und Atmosphärenchemie, biologische und
physikalische Ozeanographie mit numerischer Modellierung über einen weiten
Bereich von Raum- und Zeitskalen um die Reaktion des Ozeans auf globalen Wandel
zu untersuchen. Es verbindet technologische Entwicklungen und den Einsatz neuer
frei treibender Mesokosmen zur Untersuchung der Konsequenzen von Ozeanwandel auf
marine Ökosysteme mit der Erweiterung physikalischer Modelle zur Simulation von
Schlüsselprozessen im Oberflächenozean und der Nutzung neuer
Langzeitmessstationen für Atmosphäre und Ozean auf den Kapverdischen Inseln (in
Zusammenarbeit mit europäischen und Kapverdischen Partnern). SOPRAN wird ein
besseres Verständnis der Rolle des Ozeans im Klimasystem und eine verbesserte
Beschreibung der Effekte des globalen Wandels auf empfindliche Meeresökosysteme
liefern.
Darüber hinaus wird das Projekt aufbauend auf die vorhandene
Infrastruktur und fachliche Kompetenz in Deutschland, einen wesentlichen und
weithin sichtbaren Beitrag zum internationalen SOLAS Programm liefern die
wissenschaftliche Basis für gesellschaftspolitische Bewertungen stärken,
Grundlagen für die Einschätzung von zukünftigen Veränderungen im
Kohlenstoffkreislauf schaffen sowie Beiträge zum IPCC (Intergovernmental Panel
on Climate Change) Report und dem Ozone Assessment der WMO (World Meteorological
Organization) liefern.
Das Projekt verbindet 42 Forscher von 12
Partnerinstituten aus allen Teilen Deutschlands, die in 23 Teilprojekten
kooperieren. Die Teilprojekte sind 4 Themen zugeordnet:
- der Einfluss von atmosphärischem Staubeintrag auf den Ozean
- der Effekt steigender CO2 Werte auf marine Ökosysteme und den Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre
- Produktion und Emission klimarelevanter und reaktiver Gases im tropischen Ozean
- Austauschprozesse an der Grenzschicht Ozean-Atmosphäre.
- Im Mittelpunkt des Verbundprojektes stehen dabei Feldstudien in der Ostsee sowie im tropischen östlichen Nord-Atlantik. Die inhaltliche und logistische Vernetzung von SOPRAN wird durch Themen übergreifende Aktivitäten zusätzlich gestärkt.
Kontakt: Dr. Maren Voß
