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Phytoplankton an der Küstenstation "Seebrücke Heiligendamm" im Jahre 2003

Wöchentliche Messungen des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) an der Seebrücke Heiligendamm (54°08,55' N; 11°50,60' E).

Die Ergebnisse der wöchentlichen Phytoplankton-Probennahmen des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) von der Seebrücke Heiligendamm (54°08,55' N; 11°50,60' E) werden in Abb. 1 dargestellt.

In den ersten Wochen des Jahres 2003 (bis zum 18.2.03, = 8.Woche) war die Phytoplankton-Biomasse gering. Sie war anfangs hauptsächlich vom Crypto-Flagellaten Teleaulax sp. bestimmt. Am 21.1.03 (= 4.Woche) trat kurzzeitig der Dinoflagellat Heterocapsa rotundata auf. Dann wurde zunehmend die Kieselalge Skeletonema costatum dominant. Weitere wichtige Kieselalgen waren, wie schon im Vorjahr, Thalassiosira anguste-lineata und T. levanderi. Die Biomasse des photoautotrophen Ciliaten Mesodinim rubrum blieb erstaunlich gering.

In einer sonnigen Periode entwickelten sich die Kieselalgen zum 26.2.03 (= 9.Woche) explosionsartig (Skeletonema costatum = 1662 mg m-3). Das ist ein sehr früher Blütenzeitpunkt. Die mikroskopischen Phytoplanktonzählungen werden durch die parallel gemessenen Chlorophyll-a-Konzentrationen gestützt. Zum Höhepunkt der Blüte am 4.3.03 trat spontan auch die nackte Form der Chrysophycee Dictyocha speculum mit 648 mg m-3 auf. Die Wassertemperatur war immer noch nicht über 1 °C gestiegen. Erst in der 12. Woche (18.3.03), als die Blüte bereits beendet war, stieg die Temperatur auf 3 °C.

Nach der Kieselalgen-Frühjahrsblüte entwickelten sich die Cryptophyceen (insbesondere Teleaulax sp.) wieder stärker. Erstaunlicherweise war die sonst übliche Ablösung der Kieselalgen durch große athekate Dinoflagellaten, bislang provisorisch als Gymnodinium cf. lohmannii bezeichnet, im Jahre 2003 sehr schwach ausgefallen. Am 22.4.03 (= 17. Woche) wurden hauptsächlich Dictyocha speculum, Pseudopedinella sp. und ein großes Exemplar der Kieselalge Attheya decora gefunden.

Es schloss sich eine Phase sehr geringer Biomassen bis zum 27.5.03 (= 22. Woche) an, die zunehmend von Cryptophyceen (Hemiselmis, Teleaulax, Plagioselmis) dominiert wurde. Der moderate Biomasse-Anstieg zum 3.6.03 (= 23. Woche) kam durch unbestimmte, 2-5 µm kleine Zellen zustande. Die Probe vom 10.6.03 konnte wegen starker Verschmutzung durch Sediment (aufgrund von Windstärke 8 am Vortag) nicht ausgezählt werden. Am 17.6.03 (= 25. Woche) trat erstmals in dieser Sommerperiode Ceratium tripos deutlich in Erscheinung (38 mg m-3). Die sommerliche Kieselalgenblüte begann sich am 23.6.03 mit Guinardia flaccida (92 mg m-3) zu entwickeln. Diese Art erreichte am 2.7.03 (= 27. Woche) mit 1398 mg m-3 ihren Höhepunkt. Gleichzeitig waren Dactyliosolen fragilissimus (143 mg m-3) und Proboscia alata (129 mg m-3) bedeutsam. Leider konnte die Probe vom 7.7.03 wegen Versandung nicht ausgewertet werden. Zum 14.7.03 (= 29. Woche) hatte sich von den genannten Kieselalgenarten nur Dactyliosolen fragilissimus (238 mg m-3) gehalten, während Guinardia flaccida mit nur 15 mg m-3 auftrat. Zum 21.7.03 (= 30. Woche) hatten sich die Verhältnisse aber wieder umgekehrt, und es trat nun wieder Guinardia flaccida mit 759 mg m-3 auf. Die Dominanz von Guinardia flaccida ist bemerkenswert, da diese Art in den vorangegangenen Jahren relativ selten war und die sommerliche Kieselalgenblüte bislang durch Dactyliosolen fragilissimus gebildet wurde.

Am 29.7.03 (= 31. Woche) erschienen spontan stickstoff-fixierende Cyanobakterien (Nodularia spumigena, Aphanizomenon sp.) an unserer Küstenstation. Diese Arten bildeten in der zentralen Ostsee große Blüten, die ihre Ausläufer nun bis in die deutschen Küstengewässer vorschoben, so dass an einigen Stränden zeitweise vor dem Baden gewarnt werden musste. Die Blüte hielt vor Warnemünde bis zum 10.8.03 an, war am 11.8.03 aber wieder verschwunden. Am 11.8.03 wurden in Heiligendamm nur noch 25 mg m-3 stickstoff-fixierende Cyanobakterien gefunden. Während der Cyanobakterienblüte waren auch Dactyliosolen fragilissimus und Prorocentrum minimum stark entwickelt. Aufgrund mehrerer Windereignisse gingen die Biomassen zum 26.8.03 (= 35. Woche) stark zurück. Verunreinigungen der Proben durch aufgewirbeltes Sediment führten eventuell zur Unterschätzung der Biomasse am 26.8.03 und machten die Probe vom 1.9.03 ganz unbrauchbar. Zum 9.9.03 (= 37. Woche) hatte sich Ceratium tripos mit 437 mg m-3 kräftig entwickelt, wurde zum 16.9.03 aber wiederum durch Dactyliosolen fragilissimus (444 mg m-3) verdrängt. Die sehr schnellen Veränderungen der Artenzusammensetzung spiegeln aber wahrscheinlich nicht durch unterschiedliches Wachstum bedingte Entwicklungen wider, sondern beruhen wohl auf dem Vorbeidriften unterschiedlicher Wasserkörper mit unterschiedlichem Phytoplanktongehalt an dieser Küstenstation in der sehr dynamischen Mecklenburger Bucht. Ein wirklicher Populationswechsel vollzog sich aber zum 23.9.03 (= 39. Woche) mit der Ablösung der Kieselalge Dactyliosolen fragilissimus durch die typische Herbst-Kieselalge der eigentlichen Ostsee, Coscinodiscus granii. Am 14.10.03 (= 42. Woche) trat kurzzeitig allerdings Proboscia alata mit 392 mg m-3 neben Ceratium tripos und C. fusus als dominante Art auf, um zum 28.10.03 wieder vollständig Coscinodiscus granii Platz zu machen, welches zum 4.11.03 auch wieder verschwand. Erst in der 48. und 49. Woche hat sich schließlich eine stabile Blüte aus Ceratium tripos und C. fusus etabliert. Sie wurde begleitet von den Kieselalgen Cerataulina pelagica, Thalassiosira baltica, Th. anguste-lineata und Th. eccentrica sowie der Cryptophycee Teleaulax sp. und Mesodinium rubrum. Die Proben von der 50. und 51. Woche konnten wegen hohen Sedimentanteils nicht mikroskopisch ausgewertet werden. Die Chlorophyll-Konzentrationen deuten aber einen Rückgang der Blüte an.

 

IOW, 08.03.2004
Dr. Norbert Wasmund,
Susanne Busch,
Ina-Marie Topp,
Regina Hansen.

 

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Abb. 1: Chlorophyll a –Konzentration und Zusammensetzung der Phytoplankton-Biomasse (Frischmasse) vom 7.1. bis 17.12.2003 an der Seebrücke Heiligendamm (Schöpfproben von der Wasseroberfläche).
Abb. 1: Chlorophyll a –Konzentration und Zusammensetzung der Phytoplankton-Biomasse (Frischmasse) vom 7.1. bis 17.12.2003 an der Seebrücke Heiligendamm (Schöpfproben von der Wasseroberfläche).
IOW-Fotogalerie einzelliger Ostseealgen

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