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Eisfluke

Mit der FS Maria S. Merian an die Westküste Grönlands

Von der Ostsee nach Grönland - ein Zeitsprung über 10.000 Jahre

Vom 15. 6. bis 4. 7. wird ein 23-köpfiges internationales Team von Geowissenschaftlern unter Leitung des Warnemünder Meeresgeologen Prof. Dr. Jan Harff an Bord der Maria S. Merian vor der Küste Westgrönlands unterwegs sein.

14.06.2007: Von Warnemünde nach Nuuk ging es über Kopenhagen und Narsarsuaq mit dem Flugzeug. In Narsarsuaq an der Südost-Küste Grönlands, wo wir vier Stunden Aufenthalt hatten, begrüßten uns die ersten Eisberge.

Der Festlandssockel unter Grönland wird durch den kilometerdicken Eispanzer, der auf der Insel lastet, in den Erdmantel gedrückt. So war es auch vor rund 10.000 Jahren in Skandinavien. Heute - da das Eis bei uns längst verschwunden ist, spüren wir immer noch die Folgen dieser Belastungen, denn "vom Eise befreit" hob sich das skandinavische Festland pro Jahr mehre Millimeter aus dem Meer heraus und gleichzeitig - als Ausgleichsbewegung - sank das Land an der südlichen Ostseeküste, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern. Diesen Prozess, der heute immer noch anhält, wollen wir ganz genau verstehen, um verlässliche Vorhersagen über die Küstenentwicklungen machen zu können. Ein Zeitsprung zurück in die Zeiten eines beginnenden Abschmelzens des Eispanzers soll uns mit Zusatzinformationen zum Verlauf der Landhebungen versorgen.

Parallel zu Messungen der aktuellen Landhebung Grönlands wollen wir in den tiefen Fjorden Westgrönlands Sedimentkerne entnehmen, die uns über die Umweltbedingungen der letzten 10.000 Jahre Auskunft geben sollen. Hier interessieren uns vor allem Zeugnisse für natürliche Klimaschwankungen. In welchem Rhythmus kam es zu Änderungen des Klimas? Lassen sich Rückschlüsse ziehen auf mögliche natürliche Klimazyklen, die die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen abschwächen oder verstärken könnten?

Zusammen mit einer Schulklasse aus Ummanaq untersuchen wir zusätzlich Klima-Phänomene der letzten 100 Jahre. Was erzählen die Großeltern und Eltern? Gab es besonders kalte Winter, besonders heiße Sommer? Besonders viele Eisberge in der Bucht? Parallel untersuchen wir Sedimente der letzten 100 Jahre und versuchen in ihnen Zeugnisse für die großelterlichen Beobachtungen zu finden.

Durch die Arbeiten im fernen Grönland gewinnen wir wichtige Zusatzinformationen zur Interpretation der Ostseesedimente - die ja teilweise auf ganz ähnliche Weise entstanden sein müssen. Es ist für uns wie eine Zeitreise 10.000 Jahre zurück in Richtung Eiszeit.