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Biologische Zustandseinschätzung der Ostsee 2009

Die 1979 begonnene HELCOM-Datenreihe der Artenzusammensetzung und Biomasse bzw. Abundanz des Phyto- und Zooplanktons sowie des Makrozoobenthos wurde im Jahre 2009 in der Kieler Bucht, Mecklenburger Bucht und Arkonasee fortgesetzt.

Die Phytoplankton-Frühjahrsblüte fand im Jahre 2009 in der Kieler Bucht sehr früh statt (Ende Januar, Skeletonema costatum). Es wurde eine Verzögerung des Blütenzeitpunktes in östliche Richtung (zentrale Mecklenburger Bucht: Ende Februar, Arkonasee: Ende März) bemerkt. Der Anteil von Mesodinium rubrum an der Frühjahrsblüte nimmt nach Osten zu. Chrysochromulina sp. etabliert sich wie schon im Jahre 2008 als wesentlicher Bestandteil des Frühjahrsplanktons. Wie schon in den Vorjahren sind die Dinoflagellaten in der Arkonasee im Frühjahr nur noch schwach entwickelt. Im Gegensatz zu 2007 und 2008 ist Dictyocha speculum stark zurück gegangen. Ende Juli trat in der Kieler Bucht eine Kieselalgenblüte (Proboscia alata) auf. In der Arkonasee waren im Sommer zeitweise Cyanobakterien dominant. Zum Fahrttermin Ende Oktober/Anfang November konnte keine Herbstblüte nachgewiesen werden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Herbstblüte erst deutlich später auftritt. Die marinen Kieselalgen Phaedactylum triconutum, Chaetoceros lorenzianus und Lennoxia faveolata wurden von uns erstmalig in diesem Gebiet gefunden.

Die Frühjahrsdaten des Chlorophyll a zeigten von 1979 bis 2009 einen abnehmenden Trend in der Mecklenburger Bucht und eine Zunahme in der Arkonasee. Die Sommer- und Herbstwerte zeigten keinen Trend.

Die Sedimentation des organischen Materials im Arkonabecken im Jahr 2009 zeigte Maxima durch die Kieselalgen-Frühjahrsblüte, sommerliches Cyanobakterien-Wachstum und die Entwicklung einer Kieselalgen/Dinoflagellaten-Gemeinschaft im Herbst. Der vertikale Exportfluss betrug für partikulären Kohlenstoff 314 mmol, für Stickstoff 41 mol, für Silikat 74 mmol und für Phospor 1,9 mmol m-2 a-1 bei einem Massefluss von 45 g m-2 a-1 Trockenmasse.

Das Anzahl der Mesozooplankton-Taxa betrug 41 über die letzten 10 Jahre. Die Zahl stieg im Jahre 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 4 an, aufgrund eines stärkeren Wasseraustausches. Neozoen wie Mnemiopsis leidyi waren auch im Jahre 2009 noch präsent. Der Rückgang der Gesamtabundanz des Mesozooplanktons im Vergleich zu den frühen 90er Jahren blieb in der Tendenz erhalten. Höhere Konzentrationen von Aurelia aurita korrespondieren mit geringen Wintertemperaturen, die wichtig für das Auslösen der Strobilation sind. Deren Hemmung in milden Wintern kann durch wärmere Sommer nicht voll ausgeglichen werden.

Die 140 im Macrozoobenthos gefundenen Arten zeigen im Jahre 2009 eine sehr hohe Diversität im Vergleich mit den letzten 19 Jahre des Monitoring an. Es wurde keine durch Sauerstoffmangel bewirkte Defaunierung festgestellt. In Abhängigkeit vom Seegebiet schwankten die Individuendichten zwischen 650 und 10.000 Ind./m² und die Biomassen zwischen 1 g und 219 g AFTM/m². An den 8 Monitoringstationen konnten insgesamt 19 Arten der Roten Liste nachgewiesen werden, z.B. Macoma calcarea. Der vom BQI (Benthic Quality Index) abgeleitete "Ökologische Status" der Stationen rangierte zwischen „medium" und „sehr gut". Im Vergleich zum Vorjahr konnten sich die Stationen im Fehmarnbelt (OMBMPN1) und in der Mecklenburger Bucht (OMBMPM2) von „verarmt" auf "medium" verbessern.

Vollständiger Bericht in:
Meereswiss. Ber. 81 (2010)
Wasmund, Norbert; Pollehne, Falk; Postel, Lutz; Siegel, Herbert; Zettler, Michael L.:
Biologische Zustandseinschätzung der Ostsee im Jahr 2009

Jährliche biologische Zustandseinschätzungen

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