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Biologische Zustandseinschätzung der Ostsee 2012

Die 1979 begonnene HELCOM-Datenreihe der Artenzusammensetzung und Biomasse bzw. Abundanz des Phyto- und Zooplanktons sowie des Makrozoobenthos wurde im Jahre 2012 in der Kieler Bucht, Mecklenburger Bucht, Arkonasee, Bornholmsee und Gotlandsee fortgesetzt.

Zur Phytoplankton-Frühjahrsblüte entwickelte sich in der Kieler und Mecklenburger Bucht ab Mitte Februar, in der Arkonasee bis Ende März und in der östlichen Gotlandsee bis Anfang Mai 2012. In den westlichen Gebieten kam es zu einer starken Kieselalgen-Entwicklung, aber in östliche Richtung nahm die Bedeutung von Mesodinium rubrum zu. Dictyocha speculum konnte in nennenswerten Mengen nur in der Lübecker Bucht gefunden werden. Die Arten Achnanthes taeniata, Verrucophora farcimen und Peridiniella danica, die im Jahre 2011 eine ungewöhnliche starke Entwicklung zeigten, waren um Jahre 2012 wieder nur selten oder ganz fehlend. Die Cyanobakterien erreichten ihr Maximum Ende Juli. Im Herbst 2012 zeigte sich die übliche Dinoflagellatenblüte in den westlichen Gebieten und Kieselalgen-Dominanz in der eigentlichen Ostsee. Es ist aber hervorzuheben, dass Mesodinium rubrum nun auch im Herbst stärker in Erscheinung tritt. Die Chlorophyll-a-Konzentrationen waren am höchsten im Herbst und bestätigen, dass das Maximum der Frühjahrsblüte nicht getroffen wurde.

Im Vergleich zum Vorjahr trat eine deutliche Abnahme der Artendiversität von Diatomeen, Cyanobakterien und Flagellaten im absinkenden Material auf, während sich die Artenzahl der Dinoflagellaten kaum verringerte. Der auf Cyanobakterien beruhende Exportfluss im Sommer verringerte sich. Quantitativ lieferte die Frühjahrsblüte den höchsten Anteil am Partikelexport. Elementflüsse von C, N, P und Si waren etwas geringer aber immer noch im Rahmen der für die zentralen Ostseebecken bisher gemessenen Langzeitraten.

Im Jahr 2012 betrug die Gesamt-Anzahl der Mesozooplankton-Taxa 55. Die Neozoenart Eurytemora carolleeae wurde in einzelnen Proben festgestellt. Die bekannte eingewanderte Cladocera- Art Penilia avirostris wurde einmalig beobachtet. Ein massenhaftes Erscheinen der eingewanderten Art Mnemiopsis leidyi wurde nicht verzeichnet. Die Summe der maximalen Abundanz des Mesozooplanktons war ähnlich gering wie in 2010. Seit den frühen 1990er Jahren nimmt die Mesozooplanktonabundanz tendenziell ab. Die maximale Gesamtkonzentration bei den calanoiden Copepoden war mit etwa 11.000 Ind.*m-3 gering im Vergleich zum jangjährigen Mittelwert von ca. 25.000 Ind.*m-3. Im Vergleich aller maximaler Abundanzen der wichtigsten taxonomischen Gruppen an allen Stationen war der Anteil der Copepoda gering. Cyclopoida und Bivalvia-Larven dagegen hatten einen hohen Anteil, welcher von West bis zur Darsser Schwelle abnahm. Die maximale Abundanz von Rotatoria stieg an, war aber in der Arkonasee konstant. Die hohe Abundanz von Cladocera verringerte sich nach Osten.

Mit insgesamt 142 ist die Artenzahl des Makrozoobenthos im Vergleich zu den Vorjahren als sehr hoch zu bezeichnen; ein Hinweis, dass im Jahre 2012 kein anhaltender Sauerstoffmangel bestand. In Abhängigkeit vom Seegebiet schwankten die Individuendichten zwischen 278 und 12113 Ind./m² und die Biomasse zwischen 2,9 und 81 g AFTM/m². Sowohl im Hinblick auf die Abundanz als auch die Biomasse variierten die dominanten Arten zwischen den Stationen. Einige Beispiele für Schlüsselarten sind die Glatte Wattschnecke Peringia ulvae, die Muscheln Arctica islandica, Astarte borealis, Mytilus edulis und Mya arenaria, die Polychaeten Scoloplos armiger und Pygospio elegans sowie der Cumacee Diastylis rathkei. An den 8 Monitoringstationen konnten insgesamt 20 Arten der Roten Liste nachgewiesen werden. Der Anteil an Neozoen war 2012 mit 4 Arten sehr gering.

Vollständiger Bericht in:
Meereswiss. Ber. 92 (2013)
Wasmund, Norbert; Augustin, Christina B.; Pollehne, Falk; Siegel, Herbert; Zettler, Michael L.:
Biologische Zustandseinschätzung der Ostsee im Jahr 2012

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