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Hydrographisch-chemische Zustandseinschätzung der Ostsee 2019

Für den südlichen Ostseeraum ergab sich im Winter 2018/2019 an der Station Warnemünde für die Lufttemperatur eine Kältesumme von 18,3 Kd. Im Vergleich belegt er damit den 7. Platz unter den wärmsten Wintern seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1948 und wird als sehr mild klassifiziert. Der Sommer 2019 nimmt mit einer Wärmesumme von 283,1 Kd den 24. Platz in der 71jährigen Datenreihe ein und liegt weit unter dem Rekordwert von 2018 (394,5 Kd). Das Langzeitmittel liegt bei 158,6 +/- 68,9 Kd.

Die Situation in den Tiefenbecken der Ostsee war weiterhin geprägt durch stagnierende Bedingungen mit ausgedehnten Sauerstoffmangelgebieten. Die baroklinen Einströme des Hitzesommers 2018 drangen bis in die zentrale Ostsee vor und erwärmten das Tiefenwasser am Gotland Tief im Dezember 2018 auf 8,6 °C, weitere Pulse warmen Wassers folgten im Februar, März und April 2019. Die Salzgehalte und Konzentrationen gelösten Sauerstoffs blieben im Bodenwasser im Wesentlichen unverändert. Im Herbst 2018 und Dezember/Januar 2019 wurden durch drei kleinere barotrope Einströme insgesamt 3.3 Gt Salz in die westliche Ostsee importiert. Im Jahresverlauf 2019 folgten weitere vier schwache Einstromereignisse (April, Juni, September, Dezember). Das letzte umfasste 1 Gt Salzimport. Diese Ereignisse beeinflussten das Tiefenwasser im Arkona Becken bis in südliche Bereiche des östlichen Gotland Beckens. Die Bodensalzgehalte in der zentralen Ostsee blieben nach den „Major Baltic Inflows“ im Zeitraum 2014-2016 auf hohem Niveau, so dass die schwächeren Einströme des Jahres 2019 den Meeresboden nicht erreichten und so auch keine Belüftung des Tiefenwassers der zentralen Ostsee bewirkten.

Die anoxischen und euxinischen Bedingungen in den Tiefengewässern verschärften sich 2019. Dies bestimmte auch die Nährstoffsituation in den Tiefenwässern des nördlichen und westlichen Gotlandbeckens. In der östlichen Gotlandsee stiegen die Phosphat- und Ammoniumkonzentrationen seit 2017 an. Im Jahr 2019 war der Sauerstoffgehalt in allen Tiefenwasser-Referenztiefen gleich Null. Eine Ausnahme bildete das zwischenzeitlich wieder mit Sauerstoff angereicherte Tiefenwasser der Bornholmsee mit etwa 3 ml/l Sauerstoff im März, was zu einem Jahresdurchschnitt von etwa 1,0 ml/l Sauerstoff führte und somit eine deutlich erhöhte Nitratkonzentration auf 6,8 μmol/l im Jahr 2019, eine relativ niedrige Ammoniumkonzentration von 1,5 μmol/l und eine Phosphatkonzentration von etwa 3,8 μmol/l im Jahresdurchschnitt zeigte.

In diesem Report sind die während der Umweltüberwachung im Januar/Februar 2019 ermittelten Konzentrationen chlorinierter und polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (CKW, PAK) in Gebieten des Fehmarnbeltes/Kieler Bucht bis zur Gotlandsee zusammengefasst. Konzentrationen der CKW und U.S. EPA PAK verringern sich vom Bereich der westlichen Ostsee bis zur Gotlandsee, mit der Ausnahme, dass in der Pommerschen Bucht höchste Konzentrationen für CKW und PAK nachgewiesen wurden (ΣPAHsum: 15,000 pg/l, ΣCHCsum: 31.5 pg/l). Für die Gruppe der CKW wurden die höchsten Konzentrationen für HCB (HCBsum: 6 to 8 pg/L) ermittelt, gefolgt von DDT/Metabolite (ΣDDTsum: 3 to 7 (15)pg/L) und den PCBICES (ΣPCBsum: 2 to 9 pg/L); in der Pommerschen Bucht wurden die höchsten CKW-Konzentrationen für DDT/Metabolite ermittelt. Die Daten lassen auf hohe CKW- und PAK-Belastung in den Bereichen Fehmarn Belt/Kiel Bight und der Pommerschen Bucht schließen. Mariner Schiffsverkehr und Flusseinträge von Altlasten aus dem Hinterland über die Oder sind mögliche Ursachen dieser Belastung. Die Bewertung dieser Daten auf Grundlage der UQN der Wasserrahmenrichtlinie zeigt, dass eine schädliche Wirkung auf marine Organismen durch einige der hochmolekularen PAH, insbesondere im Bereich der Pommerschen Bucht, in Betracht gezogen werden muss.

Vollständiger Bericht in:
Meereswiss. Ber. 114 (2020)
Naumann, Michael; Gräwe, Ulf; Mohrholz, Volker; Kuss, Joachim; Kanwischer, Marion; Feistel, Susanne; Hand, Ines; Waniek, Joanna J.; Schulz-Bull, Detlef E.:
Hydrographic-hydrochemical assessment of the Baltic Sea 2019

Jährliche Hydrographisch-chemische Zustandseinschätzungen

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